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Weltalmanach

Aachener Friedenspreis: Vergabe, Termin und Selbstverständnis

Der Aachener Friedenspreis wird seit 1989 vergeben, gestiftet von 46 Einzelpersonen und getragen von einem Verein. Verliehen wird er zum Antikriegstag am 1. September.

Europa im Ausschnitt der Weltkarte
Vergeben wird in Aachen; ausgezeichnet wird Friedensarbeit ohne Amt.

Ein Preis von Einzelpersonen

Die Entstehung erklärt den Zuschnitt. Nicht eine Stadt, eine Stiftung oder eine Akademie steht hinter dem Preis, sondern 46 Menschen, die ihn 1989 gemeinsam ins Leben riefen. Getragen wird er seither von einem eingetragenen Verein; vertreten wird dieser von einem Sprecherkreis, nicht von einem einzelnen Vorsitzenden.

Damit unterscheidet sich das Verfahren grundlegend von Preisen, bei denen ein Fachgremium aus eingereichten Vorschlägen auswählt. Hier entscheiden die Mitglieder selbst, wen sie für auszeichnungswürdig halten. Wer über einen Preis entscheidet, bestimmt mit, welche Art von Leistung überhaupt in den Blick gerät – bei diesem Preis ist das ausdrücklich beabsichtigt.

Was ausgezeichnet wird

Der Verein beschreibt seinen Maßstab in eigenen Worten: Geehrt werden sollen Menschen und Gruppen, die „von unten her" zur Völkerverständigung beigetragen und Frieden gestiftet haben – durch Gerechtigkeitssinn, Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft, durch Gewaltlosigkeit, Zivilcourage und Tatkraft. Die Formulierung nennt keine Berufe und keine Ämter, sondern Haltungen.

Der Blick reicht ausdrücklich über Deutschland hinaus. Die Auszeichnung ist nicht an nationale Grenzen gebunden, was sie mit den großen internationalen Preisen teilt – bei einem Verein dieser Größe aber eine andere Bedeutung hat, weil die Vorschläge aus dem eigenen Umfeld und dessen Verbindungen kommen.

Der 1. September

Der Termin ist gewählt, nicht zufällig: Der 1. September ist der Antikriegstag, der Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen im Jahr 1939. Er wird in Deutschland seit Jahrzehnten von Gewerkschaften und Friedensinitiativen begangen. Ein Friedenspreis an diesem Datum ordnet sich in diese Tradition ein, statt einen eigenen Festtag zu setzen.

Auch darin liegt ein Unterschied zu den großen Stiftungspreisen. Wer einen eigenen Termin setzt, schafft ein Ereignis; wer sich an einen bestehenden Gedenktag hängt, ordnet sich einer laufenden Auseinandersetzung unter. Die Verleihung findet entsprechend nicht in einem repräsentativen Saal statt, der zum Preis gehört, sondern an wechselnden Orten in der Stadt.

Was ein Vereinspreis leisten kann

Ein Preis, der von Einzelpersonen getragen wird, kann finanziell nicht mit einer Stiftung mithalten. Sein Gewicht liegt woanders: in der Aufmerksamkeit, die eine Auszeichnung einer Gruppe verschafft, die sonst kaum überregional wahrgenommen würde. Für Initiativen ohne Apparat ist das oft der praktische Ertrag – Presseberichte, neue Kontakte, ein Beleg für die eigene Arbeit gegenüber Geldgebern.

Zwei Preise, eine Stadt

In Aachen werden damit zwei Auszeichnungen mit demselben Gegenstand und entgegengesetztem Zugang vergeben. Der Karlspreis ehrt seit 1950 Persönlichkeiten und Institutionen, die die europäische Einigung vorangebracht haben, und wird im Krönungssaal des Rathauses überreicht. Der Friedenspreis wendet sich an die andere Seite derselben Frage. Wer die beteiligten Staaten nachschlagen möchte, findet Deutschland im Länderverzeichnis; weitere Themen quer zu den Grenzen führt das Stichwort-Register.

Satzung, Sprecherkreis und die Liste der Ausgezeichneten veröffentlicht der Aachener Friedenspreis e. V.

Häufige Fragen zum Aachener Friedenspreis

Seit wann gibt es den Aachener Friedenspreis?

Seit 1989. Gestiftet wurde er von 46 Einzelpersonen; getragen wird er von einem eingetragenen Verein, der bis heute über die Vergabe entscheidet.

Wann wird der Preis verliehen?

Jährlich zum Antikriegstag am 1. September – dem Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen 1939. Der feste Termin ist Teil der Aussage des Preises.

Wer wird ausgezeichnet?

Menschen und Gruppen, die nach dem Selbstverständnis des Vereins „von unten her" zur Völkerverständigung beigetragen haben – durch Gerechtigkeitssinn, Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft, durch Gewaltlosigkeit, Zivilcourage und Tatkraft.

Worin unterscheidet er sich vom Karlspreis?

In der Blickrichtung. Der Karlspreis würdigt seit 1950 Wirkung auf der Ebene von Politik und Institutionen, meist getragen von Ämtern. Der Friedenspreis wendet sich an jene, die ohne solche Ämter arbeiten. Beide werden in derselben Stadt vergeben.