Wittgenstein-Preis: Österreichs höchstdotierter Wissenschaftspreis
Bis zu 1,5 Millionen Euro je Auszeichnung, jährlich vergeben an ein bis zwei Forschende aller Fachrichtungen – der Preis gilt als die bedeutendste wissenschaftliche Auszeichnung Österreichs.
Bedeutung und Zielsetzung
Der Wittgenstein-Preis ist die höchstdotierte wissenschaftliche Auszeichnung Österreichs und wird gelegentlich als österreichischer Nobelpreis bezeichnet – ein Vergleich, der die Aufmerksamkeit trifft, nicht die Funktion. Denn anders als beim Nobelpreis geht es nicht um die Würdigung eines abgeschlossenen Werks, sondern um die Finanzierung künftiger Arbeit.
Vergabe und Dotierung
Jährlich werden im Auftrag des zuständigen Bundesministeriums ein bis zwei Preise an Forschende aller Fachdisziplinen vergeben. Die Dotierung beträgt bis zu 1,5 Millionen Euro je Preis. Die Mittel sind zweckgebunden: Die Ausgezeichneten setzen sie für ihre Forschungsarbeit ein und entscheiden dabei selbst über Personal, Geräte und Vorhaben. Administriert wird der Preis vom Wissenschaftsfonds FWF.
Namensgeber Ludwig Wittgenstein
Der Preis ist nach dem österreichisch-britischen Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889–1951) benannt, einem der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts. Sein „Tractatus logico-philosophicus" und die posthum erschienenen „Philosophischen Untersuchungen" prägen die analytische Philosophie bis heute. Wittgenstein lehrte in Cambridge, arbeitete zwischenzeitlich als Volksschullehrer in Niederösterreich und entwarf ein Haus in Wien – eine Biografie, die quer zu jeder akademischen Laufbahn steht.
Auswahlkriterien
Die Auswahl trifft eine international besetzte Jury. Bewertet werden vier Dimensionen: wissenschaftliche Exzellenz, gemessen an herausragenden Forschungsleistungen; internationale Anerkennung, gemessen an der Reputation in der Fachwelt; Zukunftspotenzial, also die Erwartbarkeit weiterer Forschungserfolge; und der Österreich-Bezug, also eine Tätigkeit an einer österreichischen Forschungseinrichtung.
Das dritte Kriterium unterscheidet den Preis von klassischen Lebenswerk-Auszeichnungen: Er geht überwiegend an Forschende in der Mitte ihrer Laufbahn, deren produktivste Phase noch bevorsteht. Genau deshalb ist die Dotierung an die Arbeit gebunden und nicht an die Person.
Einordnung im deutschsprachigen Raum
Im deutschsprachigen Wissenschaftsbetrieb hat der Preis ein direktes Gegenstück: den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der jährlich mehrfach vergeben wird und ebenfalls als Forschungsförderung ausgezahlt wird statt als persönliche Prämie. Beide Auszeichnungen folgen derselben Logik: Sie geben Forschenden für mehrere Jahre finanzielle Bewegungsfreiheit, statt eine abgeschlossene Leistung zu honorieren.
Für ein Land der Größe Österreichs ist die Dotierung bemerkenswert. Gemessen an der Einwohnerzahl entspricht ein Preis dieser Höhe einer Summe, die in größeren Wissenschaftssystemen erst über mehrere Förderlinien zusammenkommt – was erklärt, warum die Auszeichnung im österreichischen Forschungsbetrieb eine Sichtbarkeit hat, die über die Fachöffentlichkeit hinausreicht.
Auf einen Blick
| Dotierung | bis zu 1,5 Millionen Euro |
|---|---|
| Vergabe | jährlich, ein bis zwei Preise |
| Land | Österreich |
| Träger | Wissenschaftsfonds FWF im Auftrag des Bundesministeriums |
| Namensgeber | Ludwig Wittgenstein (1889–1951) |
Vorgeschlagen werden können Forschende nicht von sich selbst: Der Preis kennt keine Bewerbung, sondern ein Nominierungsverfahren durch Dritte. Das verschiebt die Auswahl weg von der Frage, wer einen Antrag schreiben kann, hin zu der Frage, wessen Arbeit in der Fachwelt gesehen wird.
Ausschreibung, Fristen und die Liste der bisherigen Ausgezeichneten veröffentlicht der FWF - Wissenschaftsfonds. Daten zu Österreich als Forschungsstandort stehen auf der Länderseite Österreich.
Häufige Fragen zum Wittgenstein-Preis
Wie hoch ist der Wittgenstein-Preis dotiert?
Mit bis zu 1,5 Millionen Euro je Preis. Das Geld ist an die Forschungsarbeit gebunden: Die Ausgezeichneten setzen es nach eigener Entscheidung für ihre Forschung ein, es ist kein persönliches Preisgeld.
Wer vergibt den Preis?
Der Wissenschaftsfonds FWF administriert ihn im Auftrag des zuständigen österreichischen Bundesministeriums. Über die Vergabe entscheidet eine international besetzte Jury.
Nach wem ist der Preis benannt?
Nach Ludwig Wittgenstein (1889–1951), dem österreichisch-britischen Philosophen, dessen Arbeiten die analytische Philosophie und die Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts geprägt haben.
Wie oft wird der Preis vergeben?
Jährlich, in der Regel an eine oder zwei Personen aus allen Fachdisziplinen. Voraussetzung ist eine Tätigkeit an einer österreichischen Forschungseinrichtung.