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Judentum ist die älteste der drei monotheistischen
Offenbarungsreligionen; das Christentum und der Islam
gingen aus ihm hervor. Mit 13,3 Millionen Anhängern
ist das Judentum die zahlenmäßig kleinste
der fünf Weltreligionen nach dem im 1. Jh. entstandenen
Christentum mit zwei Milliarden Anhängern (darunter
1,1 Milliarden getaufte Katholiken), dem im 7. Jh. entstandenen
Islam (1,3 Milliarden Anhänger), dem Hinduismus,
dessen älteste Quellen um 1500 v.Chr. datieren
(840 Millionen Anhänger) und dem etwa im 6. Jh.
v.Chr. entstandenen Buddhismus (377 Millionen Anhänger).
Geschichte
Die Geschichte des Judentums reicht
in das 2. Jahrtausend v.Chr. zurück. Nach der jüdischen
Überlieferung trat Gott durch seinen Bund mit dem
Nomaden Abraham in eine besondere Beziehung zum jüdischen
Volk ein. Gott erwählte ihn und seine Nachkommenschaft,
den Glauben an den einzigen wahren Gott in der Welt
zu bekennen und zu verwirklichen. Das Judentum besteht
somit in der legitimen Nachkommenschaft Abrahams über
Isaak und Jakob, der nach seinem Kampf mit einem Engel
am Ufer des Flusses Jabbok von Gott den Ehrennamen Israel
(»der, der mit Gott gerungen hat«) erhielt.
Der Name wurde in der Folge für die Nachkommen
Jakobs und damit für das ganze jüdische Volk
benutzt. Die zwölf Söhne Jakobs gelten als
die Ahnväter der »Zwölf Stämme«
des Volkes Israel (Israeliten). Diese zogen von Kanaan,
dem heutigen Palästina bzw. Israel, nach Ägypten,
wo ihre Nachfahren vom Pharao versklavt wurden. Aus
dieser Sklaverei wurden die von Moses angeführten
Israeliten durch Gott befreit, der dem Volk durch Moses
am Berg Sinai (auch Horeb genannt) seine Anweisung die
Tora offenbarte.
Bezeichnung
Die Bezeichnung Judentum geht auf
die abgeleitete lateinische bzw. griechische Übersetzung
des hebräischen Wortes Jehudi (Jude) zurück
und galt ursprünglich nur für die Einwohner
des Königreichs Judäa im Süden Palästinas.
Nach der Babylonischen Gefangenschaft (586 538 v.Chr.),
die das erste jüdische Staatswesen beendete, wurden
alle Bewohner der Region von den umliegenden Völkern
als »Judäer« bezeichnet und damit der
Name »Juden« auf alle Israeliten ausgedehnt.
In eingeschränktem Sinne galt die Bezeichnung »Jude«
für jene, die den Reformen des Esra und Nehemia
folgten. Heute versteht man unter Judentum die Gesamtheit
aus Kultur, Geschichte, Religion und Tradition des jüdischen
Volkes. Zionismus ist Selbstbezeichnung und Oberbegriff
von jüdisch-national-religiösen Bewegungen,
deren gemeinsames Ziel mit der Staatsgründung Israels
erreicht wurde.
Als Symbol des Judentums gilt seit dem Mittelalter der
Davidstern in der Form eines Hexagramms. Er wurde 1948
auch in die Staatsflagge Israels aufgenommen.
Religion
Die jüdische Religion basiert
auf den Überlieferungen des jüdischen Volkes,
die sich in eine schriftliche Lehre, die in der Tora
(hebräisch: Weisung, Lehre, Gesetz) niedergelegt
ist (schriftliche Tora) und eine mündliche Lehre
(auch: mündliche Tora) aufteilen. Auf beiden beruht
die Halacha (Gehen, Wandeln), das gesamte gesetzliche
System des Judentums. Die Halacha umfasst die Gebote
und Verbote der mündlichen und schriftlichen Überlieferung
und war im Laufe ihrer Geschichte stetem Wandel unterworfen.
Die Juden betrachten Gott als ihren alleinigen, obersten
König und Gesetzgeber und sich als sein auserwähltes
Volk. Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat oder
nach dem jüdischen Religionsgesetz zum Judentum
übergetreten ist. Das Judentum kennt keinen Klerus
wie die christlichen Kirchen und kein geistliches Oberhaupt
wie etwa den Papst in der katholischen Kirche. Der Rabbiner
ist ein besonders gelehrter Jude, der Gemeindevorsteher,
der für seine Gemeindemitglieder Verantwortung
trägt und sie in religiösen, persönlichen
und auch alltäglichen Dingen berät. Das Judentum
ist keine missionierende Religion; es gestattet Bekehrungen,
strebt sie aber nicht aktiv an.
Die hebräische Bibel
Die hebräische Bibel (Tanach)
ist in drei Abschnitte unterteilt: Tora (Gesetz), Nebiim
(Propheten) und Ketubim (Schriften). Die Tora umfasst
die fünf Bücher Mose (Genesis, Exodus, Levitikus,
Numeri und Deuteronomium), die zusammen als Pentateuch
bezeichnet werden. Bei den Christen sind diese fünf
Bücher Teil des Alten Testaments. An die geoffenbarten
Gebote der Tora hat sich im Judentum eine lange Tradition
ihrer mündlichen Deutung, Präzisierung, Abwägung
und Ergänzung angeschlossen, die seit 70 n.Chr.
in der Mischna (Wiederholung) und im Talmud (Belehrung,
Studium) der kanonischen Sammlung der jüdischen
Auslegung der Tora und ihrer Gesetze für die Juden
verbindlich tradiert worden ist. Der auf eine Pergamentrolle
geschriebene, in der Synagoge im Tora-Schrein aufbewahrte
Tora-Text wird im Verlauf eines Jahres abschnittsweise
im Gottesdienst am Sabbat vorgelesen.
Hauptrichtungen
Hauptrichtungen des Judentums der
Gegenwart sind das Orthodoxe Judentum mit seinen Unterströmungen
(Moderne Orthodoxe, Ultraorthodoxe, Neoorthodoxe, Chassidim),
das Liberale Judentum (auch Reformjudentum genannt)
und das Konservative Judentum. Sie unterscheiden sich
in der Art und Weise, in der die Tora im Leben angewandt
wird. Zu den Orthodoxen zählen sich alle, für
die die schriftliche wie mündliche Lehre Tora und
Talmud eine abgeschlossene und unabänderliche göttliche
Offenbarung sind. Die Halacha, das überkommene
jüdische Religionsgesetz, wird im Alltag befolgt.
Orthodoxe Juden ernähren sich koscher und achten
und befolgen eine große Anzahl ritueller und liturgischer
Regeln, zum Beispiel die Einhaltung des Sabbats. Sie
glauben an das Kommen des Messias und die körperliche
Auferstehung der Toten am Ende der Welt. Bei den Liberalen
hingegen wird die Offenbarung als ein ständig stattfindender
Prozess verstanden, weswegen Änderungen an der
Tradition möglich sind. Frauen können neben
den Männern in der Synagoge sitzen und auch Rabbinerinnen
werden. Das konservative Judentum eine bedeutende Strömung
besonders in den USA versteht sich als Mittelweg zwischen
orthodoxem und progressivem Judentum. Es will einerseits
jüdische Tradition bewahren, andererseits aber
mit dem jüdischen Religionsgesetz vereinbare Modernisierungen
durchsetzen; auch die Konservativen treten für
die Gleichberechtigung der Frau ein und lassen Rabbinerinnen
zu.
Judenverfolgungen
Judenverfolgungen gab es seit frühchristlicher
Zeit in vielen Ländern aus religiösen, politischen,
sozialen oder wirtschaftlichen Motiven; sie waren nach
Zeit und Ort sehr unterschiedlich und reichten von gesetzlicher
Diskriminierung bis zum Massenmord. Ihren Höhepunkt
erreichte die Judenverfolgung im nationalsozialistisch
beherrschten Deutschen Reich 1933 - 1945. Zunächst
richtete sich die Verfolgung gegen das Judentum in Deutschland,
das 1933 noch rund 570.000 Personen umfasste, später
gegen alle Juden im deutschen Machtbereich in Europa.
Nach den Nürnberger Gesetzen (1935) und der Reichskristallnacht
(1938) wurden im Zuge der »Endlösung der
Judenfrage« etwa fünf bis sechs Millionen
Juden ermordet.
Verbreitung
Die meisten Juden leben heute in
der Diaspora (Zerstreuung, Fremde). In Folge der Eroberung
des Tempels in Jerusalem durch die Babylonier 586 v.Chr.
und durch die Römer 70 n.Chr. begaben sich die
Juden ins Exil. Heute gibt es laut Jewish Agency for
Israel weltweit etwa 13,3 Millionen Juden (0,2 Prozent
der Weltbevölkerung). Der Schwerpunkt jüdischen
Lebens außerhalb des Staates Israel mit 5,4 Millionen
Juden liegt in den USA mit rund 6,2 Millionen Juden.
Weitere Zentren gibt es in Frankreich (560.000), Kanada
(350.000), Großbritannien (267.000), Russland
(230.000), Deutschland (190.000), der Ukraine (104.000),
Australien (84.000), Südafrika (100.000), Ungarn
(100.000), Mexiko (40.000) und Belgien (35.000; alle
Angaben The Europa World Year Book 2006).
Juden in Deutschland heute
1945 schien das Judentum in
Deutschland als Folge des Völkermords (Shoa) endgültig
zerstört; 1955 wurden in der Bundesrepublik Deutschland
nur noch etwa 15.900 Juden gezählt. Nach Angaben
des Zentralrats der Juden leben in Deutschland heute
104.000 jüdische Gemeindemitglieder vor allem durch
Zuzug von mehr als 100.000 Juden aus Osteuropa, insbesondere
aus der ehemaligen Sowjetunion. (MvB)
Links:
The Jewish Agency for Israel:
www.jewishagency.org
Zentralrat der Juden in
Deutschland:
www.zentralratdjuden.de
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Davidstern
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