Korruption: Trotz der permanenten Anti-Korruptions-Rhetorik der Regierung und der Verhaftung etlicher in Bestechungsaffären verwickelter höherer Beamter hat die Korruption nach Angaben einer im Mai 2008 publizierten Untersuchung eines albanischen Forschungsinstituts 2007 gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Das Parlament forderte am 5.11.2007 nach dem Bericht eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, Generalstaatsanwalt Theodhori Sollaku wegen Rechtsbeugung und Behinderung der Justiz seines Amtes zu entheben und strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Sollaku soll u. a. in rd. 200 Fällen nicht auf Haftbefehle und Auslieferungsersuchen anderer Länder reagiert haben. Während Staatspräsident Moisiu 2006 die Entlassung Sollakus noch abgelehnt und die Vorwürfe gegen diesen zurückgewiesen hatte, kam sein Nachfolger Topi den Forderungen des Parlaments am 22.11. nach und ernannte Ina Rama zu dessen Nachfolgerin. Sollaku hatte auch gegen Mitglieder der Regierung wegen Korruptionsverdachts ermittelt, so gegen Außenminister Lulzim Basha wegen des Baus der Autobahn Durrës – Kukës, der während Bashas Amtszeit als Transportminister vertraglich geregelt worden war. Die parlamentarische Immunität des Außenministers wurde vom Parlament am 27.12. aufgehoben.
Explosionsunglück: Beim NATO-Gipfeltreffen in Bukarest wurde Albanien – neben Kroatien – am 3.4.2008 offiziell zum Beitritt zum Bündnis eingeladen. Regierungs- und Oppositionsparteien begrüßten dies in ungewohnter Einmütigkeit als wichtigen historischen Schritt für das Land. Ein ungünstiges Licht auf die Bündnisreife Albaniens hatte am 15.3. ein Explosionsunglück auf einem Militärgelände bei der Ortschaft Gerdec, ca. 20 km südwestlich von Tirana, geworfen, bei dem 26 Menschen ums Leben kamen, mehrere Hundert wurden zum Teil schwer verletzt. Tausende von Häusern im Umkreis von 5 km wurden schwer beschädigt oder zerstört. Auf dem Gelände war unter Vernachlässigung von Sicherheitsvorkehrungen zum Teil 50 Jahre alte Artilleriemunition, deren Entsorgung eine der Vorbedingungen des NATO-Beitritts war, gelagert und entschärft worden. Verteidigungsminister Fatmir Mediu trat am 17.3. zurück; sein Amt übernahm Gazmend Oketa.
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