Der Fischer Weltalmanach
nachrichtenthemenstaatenbiografienkulturpreisearchiv




Archiv

buchausgabe
cd-rom
links
kontakt
impressum

fischerverlage.de

 

 



 

Myanmar: Protestbewegung

 
Nach drastischen Preiserhöhungen für Erdgas und Benzin, die vom Regime am 15.8.2007 ohne Ankündigung verfügt worden waren, kam es in Yangon, Mandalay und Sittwe seit dem 19.8. zu Protestdemonstrationen. Obwohl die Polizei und die regierungsnahe paramilitärische Schlägertruppe Swan-ar Shin brutal gegen die Demonstranten vorgingen und wichtige Rädelsführer, darunter Aktivisten der Demokratiebewegung von 1988, festgenommen wurden, weiteten sich die Proteste, an denen zunächst jeweils nur wenige hundert Menschen teilgenommen hatten, aus. Seit dem 28.8. setzten sich, zunächst in Sittwe, buddhistische Mönche an die Spitze der Demonstranten. Am 5. und 6.9. kam es in Pakokku zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und den Mönchen. Die von Mönchen am 6.9. durch eine Festsetzung von Regierungsbeamten erzwungene Freilassung verhafteter Brüder war ein Aufbruchsignal für Protestmärsche der Mönche in allen wichtigen Städten des Landes. Als Organisatorin trat eine Allianz der Buddhistischen Mönche in Burma (AABBM) hervor, die am 17.9. ultimativ die Freilassung der im August inhaftierten Bürgerrechtler forderte. Am 18.9. schloss die Polizei den größten Tempel in Yangon, die Shwedagon-Pagode, ein zentraler Ort der Demokratiebewegung von 1988. Seit dem 19.9. nahmen die Mönche keine Almosen mehr von Funktionären des Regimes an, was einer Exkommunizierung gleichkam. Dies markierte den Übergang von den anfänglichen Sozialprotesten zu politischer Systemopposition: Am 21.9. rief die AABBM offen zum Sturz des Militärregimes auf. Dessen Reaktion war abwartend, es ließ die demonstrierenden Mönche, denen sich zunehmend auch Nonnen und Teile der Bevölkerung anschlossen, zunächst gewähren: Am 22.9. zogen in Yangon etwa 2000 Mönche und Bürger zum Haus der dort seit 2003 unter Arrest stehenden Vorsitzenden der oppositionellen National League for Democracy (NLD) und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die sich erstmals seit 2003 kurz in der Öffentlichkeit zeigte. Die Protestwelle entwickelte sich in den folgenden Tagen zur Massenbewegung: Am 24.9. nahmen mehr als 100000 Menschen an den landesweiten Demonstrationen teil.
 
 

| themen | staaten | biografien | kulturpreise | archiv
| buchausgabe | cd-rom | links | kontakt | impressum |